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„CITÉ PAR PROJETS“

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„Cité par projets“ 

(…)
>>In einer „Cité par projets“ muss man dem Zugang zu „Grösse“ alles opfern, was der Verfügbarkeit im Weg stehen könnte. Wer „Grösse“ zeigt, lehnt Projekte ab, die ein ganzes Leben dauern (Eine Berufung, einen Beruf, eine Ehe, etc.). Er is mobil. Nichts darf sein Fortbewegen unterbrechen. Er ist ein Nomade. Die Forderung nach Leichtigkeit setzt das Ablehnen von Stabilität, Verwurzelung, Bindung an Personen und Dinge voraus. Dem Besitz zieht er das vor, was den Zugang zur Freude an Dingen ermöglicht, etwa das Mietverhältnis. Aus denselben Gründen lehnt er auch institutionelle Verantwortung ab, die seine Mobilität beeinträchtigen könnte, weil er der Sicherheit die Autonomie vorzieht. Er is auch leicht, „leger“ (nonchalant, füge ich hinzu), in dem Sinne, dass er sich vom Gewicht seiner eigenen Leidenschaften und Werte befreit hat. Er hat keine „Werte“, an die er für immer gebunden wäre, es sei denn die Toleranz aller Werte. Der „leichte“ Mensch kann sich deswegen nicht mehr verwurzeln, weil die einzige ihm verbliebene sichere Instanz das Dasein in einer komplexen, beweglichen und unsicheren Welt ist. Aber niemand genügt sich selbst, da ihn nichts als seine sozialen Beziehungen konstituieren.“<<
(…)

Luc Boltanski, Ève Chiapello
Zitiert aus: Kreation und Depression – Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus. Hrsg. Christoph menke und Juliane Rebentisch
S. 23-27
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