Diverses
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fcm #40 #41

Foto: ‚Doc #pain‘ von illleeeegal / photocase.com


Ich habe heute über 3 Stunden im Wartebereich eines Amtes verbracht: für eine Formalität, die innert 30 Sekunden abgeschlossen war. – Kann Ineffizienz im bürokratischen System besser erfahrbar gemacht werden!? Ich glaube nein.

Aber ich will mich nicht beschweren, schliesslich sind diese Momente die wahren und seltenen in denen ich wirklich Zeit, Ruhe und die nötige Konzentration zum Lesen habe.

Und hiermit ordne ich mich selbstmächtig dieser Gruppierung zu: 

„Cité par projets“ 

(…)
>>In einer „Cité par projets“ muss man dem Zugang zu „Grösse“ alles opfern, was der Verfügbarkeit im Weg stehen könnte. Wer „Grösse“ zeigt, lehnt Projekte ab, die ein ganzes Leben dauern (Eine Berufung, einen Beruf, eine Ehe, etc.). Er is mobil. Nichts darf sein Fortbewegen unterbrechen. Er ist ein Nomade. Die Forderung nach Leichtigkeit setzt das Ablehnen von Stabilität, Verwurzelung, Bindung an Personen und Dinge voraus. Dem Besitz zieht er das vor, was den Zugang zur Freude an Dingen ermöglicht, etwa das Mietverhältnis. Aus denselben Gründen lehnt er auch institutionelle Verantwortung ab, die seine Mobilität beeinträchtigen könnte, weil er der Sicherheit die Autonomie vorzieht. Er is auch leicht, „leger“ (nonchalant, füge ich hinzu), in dem Sinne, dass er sich vom Gewicht seiner eigenen Leidenschaften und Werte befreit hat. Er hat keine „Werte“, an die er für immer gebunden wäre, es sei denn die Toleranz aller Werte. Der „leichte“ Mensch kann sich deswegen nicht mehr verwurzeln, weil die einzige ihm verbliebene sichere Instanz das Dasein in einer komplexen, beweglichen und unsicheren Welt ist. Aber niemand genügt sich selbst, da ihn nichts als seine sozialen Beziehungen konstituieren.“<<
(…)

Luc Boltanski, Ève Chiapello
Zitiert aus: Kreation und Depression – Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus. Hrsg. Christoph menke und Juliane Rebentisch
S. 23-27


Today I spent over 3 hours in the waiting area of an office: for a formality that was completed in 30 seconds. Can inefficiency in a bureaucratic system be made more tangible? I think not.

But I don’t want to complain, after all these moments are the true and rare where I really have time, rest and the needed concentration to read.

And hereby I self-mightily order myself into this group:

Cité par projets

(…)
>> To get access to the „Greatness“ in a „Cité par projets you have to sacrifice everything that might stand in the way of availability. Who shows Greatness„, rejects projects that last a lifetime (a vocation, marriage, etc.). He is mobile. Nothing must interrupt his locomotion. He is a nomad. The demand for lightness implies the rejection of stability, rootedness, commitment to people and things. The possession he prefers all that, which gives access to the delight of things, such as the tenancy. For the same reason he also rejects institutional responsibility, which could affect his mobility, because he prefers the autonomy of the security. He is also easy, casual“ (nonchalantly, I might add), in the sense that he has freed himself from the weight of his own passions and values. He has no „values​​“ to which he would be bound forever, unless all the tolerance values​​. The „light“ person can therefore no longer take root, because the only instance of him remains in safe existence in a complex, moving and uncertain world. But no one is self-sufficient, because he constitutes nothing more than his social relations.„<<
(…)

Luc Boltanski, Ève Chiapello
Quoted from: Creation and Depression – Freedom in Contemporary Capitalism. Edited by Christoph Menke and Juliane Rebentisch

p. 23-27 

3 Kommentare

  1. Achso. Autonomität in meinem Fall bedarf natürlich Produktionsmittel und Materialressourcen = Dinge —> Relativität. ajajaj.

  2. aber kriegt ein Nomade keine Kinder?
    das wäre ja was für das ganze Leben…

    ps. das Foto mit dem Hund ist sehr traurig…

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