Monate: November 2017

Anna Niestroj auf dem Weg

Was ist eigentlich Privileg?

Ein Privileg (Plural Privilegien, von lateinisch privilegium „Ausnahmegesetz, Vorrecht“) ist ein Vorrecht, das einer einzelnen Person oder einer Personengruppe zugeteilt wird. Das sagt das Internet. Das sagt die Welt. Heute frage ich mich: bin ich eigentlich privilegiert? Jetzt und hier? Hier und jetzt? Und warum eigentlich (nicht)? Ich habe heute dieses Video auf Facebook entdeckt. Es wurde zu diesem Zeitpunkt 83 Millionen Male abgespielt, eine halbe Millionen Male geliked und 1,6 Millionen Male geteilt. Ich habe dieses Video heute angeschaut und es hat mich sehr getroffen. Es hat mich sehr getroffen, weil ich in der letzten Reihe stehen geblieben bin. Dieses Video ist eine gelungene Analogie, die alle betrifft, in der sich aber nicht alle wiederfinden können, weil sie nicht Teil dieses Videos sind. (Und weil es auch eigentlich ein bißchen doof ist.) Aber nicht so schlimm. Es hilft. Es hilft einen ganz unterschwelligen Missstand zu erklären, den Menschen erleben. Und dieser Missstand passiert uns nicht auf dem Sportplatz, sondern im echten Leben. Manchmal schnürt sich mir die Luft ab, wenn ich mich auseinandersetze, mit …

Warum ich Baustellen liebe

Ich habe gestern zu meinem Freund gesagt, dass man nicht auf einer Baustelle arbeiten sollte, wenn es nicht die eigene ist. Anders betont hätte ich auch sagen können, dass es total unlogisch ist auf einer Baustelle zu arbeiten, die nicht die eigene ist. – Vorausgesetzt natürlich, man hat überhaupt eine Baustelle. Da ich aber davon ausgehe, dass Baustellen zum Beispiel Beziehungen, persönliche Projekte oder Vorhaben, Abschlussarbeiten, diverse geistige oder körperliche Schmerzzustände sein können, so glaube ich, dass wahrscheinlich jeder Mensch auf dieser Erde eine Baustelle hat. Und somit sollte sich auch jeder mit dieser meinen Abhandlung zu Baustellen irgendwie identifizieren können. Ich habe (u.a.) ein Faible für „echte“ Baustellen, beziehungsweise: heruntergekommene, alte Gebäude. Nachdem ich mir nach jeder bisherigen Baustellengeschichte (aus porigem Altbaubestand) immer wieder gesagt habe: das machst Du nie wieder!, so habe ich dennoch wieder damit angefangen und bearbeite derzeit die größte Baustelle, die ich jemals hatte. – Und merkwürdigerweise fühlt es sich genau richtig an. Keine Reue, kein Jammern. Einfach machen. Stück, für Stück, für Stück, für Stück, für Stück. Manchmal denke …

Zahlenmenschen versus neue Welt

Hier sind wir also: in der lange angekündigten Welt der neuen Werte. In der Welt der mannigfachen Währungssysteme. In der Welt der Zahlen, Datenmassen, Superlativen, Kryptowährungen. Mehr, mehr, mehr. Zu viel, zu viel, zu viel.  Alles vermessen. Vom Weltall bis zum IQ. Mich wundert es seit Langem, was man hier eigentlich am Besten machen sollte, wenn man nicht in Quantitäten hineingeboren wurde, sondern in das pure Dasein. Schaltet man dann einfach ab? Sollte man besser trinken, viel konsumieren, banalisieren, sich permanent stressen, um möglichst das eigene Dasein zu vergessen? – Und damit die Tatsache zu übersehen, dass man kein Freund von Zahlen ist? So sehr ich darauf vertraut habe, dass das Internet und die sozialen Medien anderen Werten unterliegen werden, so sehr habe ich mich geirrt. Alles geht kalkuliert vor sich, alles wird gründlich geplant. Follower, Kommentare, Likes & Shares werden gezählt. Kein Content ist mehr zufällig. Die Zeit des Experimentierens ist vorbei. Alle sind nunmehr ganz strategisch bei der Sache. Bloggen mehr, schreiben mehr, investieren mehr, teilen mehr. Mehr, mehr mehr. Ich sehe kaum …